Gemeinsamer Unterricht

Der GU wird seit 18 Jahren kontinuierlich aufgebaut. Begonnen wurde die Arbeit mit einer Klasse und mit einer Sonderschullehrerin und dann stetig erweitert und konzeptionell entwickelt.

 

Viele Förderschüler wechseln nach der 4. Klasse zur Ernst Reuter-Schule (Gesamtschule mit GU) oder an die Friedrich-Stoltze-Schule (Hauptschule mit GU). Bei einigen Förderschülern wird der sonderpädagogische Förderbedarf mit dem Ende der Grundschulzeit  aufgehoben. Sie sind somit Regelschüler und haben inzwischen teilweise den Hauptschulabschluss geschafft. Die Johann Hinrich Wichern-Schule (Schule für Lernhilfe) besuchen ebenfalls einige Schüler nach der Grundschulzeit.

 

Der Ist -Stand

Vier Förderschullehrerinnen sind im GU eingesetzt. In jeder Jahrgangsstufe der Grundschule ist eine Klasse mit einer Grundschullehrerin und einer Förderschullehrerin doppelt besetzt. Die Förderschüler haben sonderpädagogischen Förderbedarf im Sinne der Lernhilfe, der Erziehungshilfe oder sprachliche Auffälligkeiten. Auch körperbehinderte oder praktisch bildbare Kinder sowie Kinder mit mehreren Behinderungen sind darunter. Seit Mai 2003 werden Referendarinnen im GU als Förderschullehrerinnen ausgebildet.

Die Grundschullehrerinnen und die Förderschullehrerinnen, die in einer Klasse gemeinsam unterrichten, verstehen sich als Team und sind beide Klassenlehrerinnen. Der Klassenunterricht und die Förderung der GU-Schüler erfolgt arbeitsteilig, begleitet von kontinuierlichen Absprachen. So erteilen auch die Förderschullehrerinnen Fachunterricht mit voller Verantwortung für die gesamte Klasse, wobei die Grundschullehrerinnen in diesem Fach die GU-Schüler fördern. Die Zusammenarbeit erfordert ein hohes Maß an Kooperation und Flexibilität. Dazu sind tägliche Absprachen und eine wöchentliche Koordination notwendig. Außerdem finden Koordination und Kooperation auf der Jahrgangsebene statt sowie unter allen Kolleginnen, die im gemeinsamen Unterricht arbeiten.

 

Die Förderung der GU-Schüler erfolgt häufig durch Binnendifferenzierung oder Extraerklärung im Klassenraum und wird ergänzt durch Förderung in einer Kleingruppe in einem anderen Raum. Bei der Förderung in der Kleingruppe sind häufig auch Schüler ohne Förderbedarf beteiligt, z.B. gut begabte Regelschüler nach Fehlzeiten, Kinder mit schwächeren Deutschkenntnissen, Schüler mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und Kinder, die mehr Übungszeit benötigen. Entsprechend dem Unterrichtsstoff kann eine Klasse auch während des Fachunterrichts aufgeteilt werden.

 

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehmen in vielen Unterrichtsphasen am Unterricht teil wie die Grundschüler und zeigen häufig Interesse, Ehrgeiz und Anstrengungsbereitschaft, da sie wissen, dass sie die notwendigen Extraerklärungen bekommen werden. So sind diese Schüler immer wieder motiviert, an die Grenzen ihrer intellektuellen Fähigkeiten zu gehen. Die Kolleginnen bieten im GU oft Werkstattunterricht, Wochenplan und fächerübergreifende Projekte an. Durch diese Unterrichtsformen kann die Binnendifferenzierung effektiver eingesetzt werden und kommt allen Schülern zugute. Alle Schüler arbeiten bei diesen Angeboten motivierter und erhalten so optimale Förderung.

 

Die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf profitieren oft durch eine positive Anpassungsleistung an gute Vorbilder bezüglich Sprache und Verhalten. In den GU-Klassen erhält die Förderung der sozialen Kompetenz einen besonders hohen Stellenwert. Gegenseitige Rücksichtsnahme, das Akzeptieren der Schwächen und die Anerkennung der Stärken anderer sind wichtige Voraussetzungen für das Gelingen des gemeinsamen Unterrichts. Die Kinder lernen im Lauf ihrer Grundschulzeit, einander zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

Der GU ist der optimale Förderort für die GU-Schüler,

  • die sich in einer Förderschule dem unteren Niveau anpassen würden und die daher den ständigen Vergleich mit den Grundschülern brauchen, um ihre Ressourcen voll auszuschöpfen.
  • die von Mitschülern profitieren können, die z.B. in Partner- und Gruppenarbeit Erklärungen und Hilfen annehmen können.
  • die im häuslichen Umfeld wenig Ansprache oder selten Lern- und Erfahrungsanreize erhalten.
  • die noch keine Lernbereitschaft wegen geringer Förderung entwickeln konnten und dies als Schulanfänger nachholen.
  • die physische Probleme haben, die ohne großen technischen Aufwand ausgeglichen werden können.
  • deren Probleme nicht so gravierend sind, so dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie Regelschüler werden können.

Der GU ist der optimale Förderort für die Regelschüler,

  • die bewusst erleben sollen, dass alle Menschen Stärken und Schwächen haben.
  • die ein Vorbild brauchen von Mitschülern, die sich sehr anstrengen und alles aus sich herausholen.
  • die lernen sollen, sich und andere zu akzeptieren und Anderssein zu tolerieren.
  • die ihre empathischen Fähigkeiten und ihre Geduld weiter entwickeln.
  • die in ihrem schwächeren Fach von Extraerklärungen und vom Training in der Kleingruppe mit profitieren können.
  • die gerne helfen und erklären.
  • die gut von Angeboten wie Werkstattunterricht, fächerübergreifenden Projekten und Wochenplan profitieren können.

Für alle Schüler ist es vorteilhaft, dass beim Fehlen einer Kollegin des Zweierteams die andere den Unterricht in allen Fächern weiterführt.

 

Die Ausstattung in den GU-Klassen mit Lernspielen und Fördermaterial ist gut und kann dank jährlicher Etatzuweisung ergänzt werden.

 

Weitere Aktivitäten und Maßnahmen der Förderschullehrerinnen im Schulalltag

 

Das Prinzip der Klassen-Patenschaften

Die Förderschullehrerinnen beraten Kolleginnen, die in den Klassen des gleichen Jahrgangs unterrichten, im Hinblick auf Diagnostik, pädagogische Maßnahmen und Förderprogramme und unterstützen sie bei Elterngesprächen. Fallbesprechungen bieten die Förderschullehrerinnen an, wenn Kolleginnen unsicher sind, ob ein Kind für die Überprüfung auf sonderpädagogischen Förderbedarf gemeldet werden soll. Grundschullehrerinnen fragen manchmal, ob bei einigen ihrer Schüler eine Konzentrations- oder eine Wahrnehmungsstörung vorliege oder auch LRS, Diskalkulie, Hyperaktivität, ADHS oder ob sprachliche und motorische Auffälligkeiten gegeben sind.

Häufig ist unklar, wie man mit einem Anfangsverdacht umgehen kann. Die Förderschullehrerinnen hospitieren im Unterricht und beraten. Zur Diagnostik und  Behandlung dieser Probleme werden individuelle Förderpläne entwickelt und umgesetzt.

Die Förderschullehrerin, die in der Jahrgangsstufe selbst auch Fachunterricht gibt, betreut und begleitet Grundschüler mit besonderen Schwierigkeiten und ist bei Bedarf auch Ansprechpartnerin für Schüler und Kolleginnen. Die Unterstützung ist einerseits organisiert und jederzeit abrufbar, wird aber zugleich individuell und flexibel für das Kind in seiner speziellen Situation umgesetzt. Dabei kann es auch notwendig werden, dass die Förderschullehrerin der Jahrgangsstufe eine Kollegin mit einer anderen sonderpädagogischen Fachrichtung hinzuzieht. In vielen Fällen verhindern die Förderschullehrerinnen durch ihre präventive Arbeit die Entstehung von sonderpädagogischem Förderbedarf.

 

Beratung für alle Kolleginnen

Auch die Schüler, die eingeschult werden, profitieren von den Beobachtungen der Förderschullehrerinnen, die bei Zweifeln in Bezug auf die Schulreife herangezogen werden.

Außerdem bieten sie teilnehmende Beobachtung oder Mitwirkung bei Elterngesprächen und Moderation bei Elternabenden an.

Aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung bringen die Förderschullehrerinnen eine andere Denk- und Sichtweise mit, die immer wieder pädagogische Denkanstöße geben kann. Die Orientierung an Ressourcen der Schüler bezieht sich z.B. auch auf die „Störer“, die mit ihren besonderen Fähigkeiten einzubinden sind. Auch für Regelschüler, die „anstrengend“ sind, als „nervig“ empfunden werden oder extrem viel Aufmerksamkeit brauchen, haben sie immer wieder einen anderen Blick und können Lehrerinnen wie Schülern helfen.

 

Ergebnisse und Erfolge des GU

Seit der Einführung des GU an der Diesterwegschule wurde das ZfE deutlich seltener um Beratung gebeten, weil viele schwierige Fragen direkt mit den Fachkräften vor Ort gelöst werden konnten. Manche verhaltensauffällige oder lernschwache Schüler wechseln innerhalb der Schule in die Parallelklasse mit gemeinsamem Unterricht und müssen keinen Schulwechsel erleben, wenn im Laufe der Grundschulzeit sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird.

Durch die Zusammenarbeit und den regelmäßigen Austausch von Wissen und Erfahrung innerhalb des Kollegiums erweitern alle Lehrerinnen ständig ihre Kompetenz, da sie die Anregungen der Kolleginnen mit anderen Ausbildungen nicht nur umsetzen, sondern auch mit ihnen reflektieren. Auch die Förderschullehrerinnen qualifizieren sich durch die Zusammenarbeit weiter. Es entsteht ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Stand: 10.2.2010

Impressum | © Diesterwegschule Frankfurt