Vom Gemeinsamen Unterricht zur Inklusiven Beschulung

Der Gemeinsame Unterricht mit allen Kindern wurde in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an unserer Schule aufgebaut, konzipiert und weiterentwickelt. In jeder Jahrgangsstufe gab es eine Klasse mit Gemeinsamem Unterricht, in der ein Klassenlehrer und ein Förderschullehrer  im Team unterrichteten. Beide haben die Klasse gemeinsam geführt und die Verantwortung getragen.

 

Im Zuge der UN – Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde im Artikel 24 festgehalten, dass Kinder mit Behinderung das gleiche Recht auf einen Besuch der Regelschule haben wie andere Kinder auch. So wird derzeit unser bewährtes Modell des Gemeinsamen Unterrichts zur Inklusiven Beschulung umgewandelt.

 

Seit 2012 gibt es die Inklusive Beschulung an der Diesterwegschule. Kinder mit Behinderungen besuchen die wohnortnahe Grundschule und gehen nicht in die Förderschule. Die Förderschullehrer sind weiterhin Mitglieder des Kollegiums der Diesterwegschule und außerdem am regionalen Beratungs- und Förderzentrum (rBFZ ) tätig. Die Zuweisung der Förderlehrerstunden erfolgt systemisch, das heißt, je nach den Ressourcen des rBFZ werden der Schule Stunden für Inklusion und vorbeugende Maßnahmen zugeteilt.

 

In unserer Schule werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eines Jahrgangs bisher meist gemeinsam in einer Klasse mit den anderen Kindern unterrichtet. Eine Förderschullehrerin wird der Klasse zugeordnet, um in möglichst vielen Stunden vor allem in den Hauptfächern eine Doppelbesetzung mit einer Grundschul- und einer Förderschullehrerin zu ermöglichen. Die Förderung der Kinder mit Förderbedarf (inklusive Beschulung) erfolgt häufig durch Binnendifferenzierung und zusätzliche Hilfen und Erklärungen im Klassenraum und wird ergänzt durch Förderung in der Kleingruppe außerhalb des Klassenraums. Von dieser Form der Förderung profitieren alle Kinder, auch die ohne Förderbedarf, z. B. gut begabte Regelschüler nach Fehlzeiten, Kinder mit schwächeren Deutschkenntnissen, Kinder mit Lese-, Rechtschreibschwierigkeiten und Kinder, die mehr Übungszeit benötigen. Je nach Anforderung und Unterrichtsstoff kann die Klasse auch im Fachunterricht aufgeteilt werden. Kinder mit Förderbedarf nehmen in den meisten Phasen genauso am Unterricht teil wie die Grundschüler und zeigen häufig Interesse, Ehrgeiz und Anstrengungsbereitschaft, da sie wissen, dass sie die notwendigen Extraerklärungen und Hilfen bekommen werden. So sind diese Schülerinnen und Schüler immer wieder motiviert, an die Grenzen ihrer intellektuellen Fähigkeiten zu gehen. Mit vielfältigen Methoden, die die Eigenverantwortlichkeit der Kinder stärken und offenen Unterrichtsformen kann die Binnendifferenzierung effektiv genutzt werden und kommt allen Kindern zugute.

 

Die Kinder mit Förderbedarf profitieren oft durch eine positive Anpassungsleistung an gute Vorbilder bezüglich Sprache und Verhalten. In inklusiven Klassen erhält die Förderung der sozialen Kompetenz einen besonders hohen Stellenwert.

 

Ein wichtiges Aufgabenfeld der Förderschullehrerin ist die Beratung der Grundschullehrerin und das gemeinsame Erstellen und Evaluieren des Förderplanes sowie die Beratung der Eltern. Sie bespricht mit ihnen die Fördermaßnahmen der Schule und gibt Empfehlungen für außerschulische Maßnahmen. Für den Übergang in die weiterführende Schule erstellt sie einen Schulbericht und leitet die Antragstellung für die sonderpädagogische Stellungnahme ein. Sie berät und informiert die Eltern über die Möglichkeiten für die weitere Schullaufbahn ihres Kindes mit Förderbedarf.

 

Vorbeugende Maßnahmen (Prävention)

Der Diesterwegschule stehen Stunden von Förderschullehrkräften des regionalen Beratungs- und Förderzentrums (rBFZ) Bürgermeister-Grimm-Schule für präventive Maßnahmen zur Verfügung (im Schuljahr 14/15: 4 Stunden).

 

In diesen Stunden werden die Kolleginnen insbesondere der Vorklasse und der 1. Klassen hinsichtlich des Umganges mit schwierigen oder schwachen Kindern beraten.

 

Die Grundschullehrerin  wendet sich an die BFZ-Lehrkraft und stellt eine Beratungsanfrage. Es könnten auch Eltern diesen Antrag stellen. Im Verlauf des Erstkontakts verschafft sich die Beratungslehrkraft einen Überblick über die individuelle Problematik des betroffenen Kindes.

  • Hierzu sind ein ausführliches Gespräche mit der Klassenlehrerin und gegebenenfalls mit den Eltern sowie die Beobachtung des Kindes in seiner Lerngruppe und die Einsicht in die Schülerakte erforderlich. Aufgrund dieser Informationen vereinbaren die BFZ-Lehrkraft und die Regelschullehrerin weiterführende Arbeitsschritte und die notwendigen Fördermaßnahmen und erstellen gemeinsam den Förderplan. In schwierigen Fällen ist eine Beratung bezüglich der Entscheidung über einen Antrag des Anspruchs auf sonderpädagogische Stellungnahme notwendig.
  • Bei Problemen in der sozial-emotionalen Entwicklung wird das Zentrum für Erziehungshilfe eingeschaltet und übernimmt bei Bedarf die weitere Förderung des Kindes in der Klasse.

 

Wird eine Einzelförderung mit dem Kind notwendig, ist eine Einverständniserklärung der Eltern notwendig.

 

Zu präventiven Maßnahmen der allgemeinen Schule können individuell auf das Kind abgestimmte Lernangebote im Unterricht, die Einrichtung von Fördergruppensowie die Förderung von Kindern mit besonderen Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gehören. In den 1. und 2. Klassen hat die präventive Sprachförderung außerdem den Auftrag Problemen beim Schriftspracherwerb vorzubeugen.

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